Phishing-Training mit Spielen: verdächtige Nachrichten richtig prüfen

Phishing-Training mit Spielen: verdächtige Nachrichten prüfen, sichere Rückfragen und Meldungen üben und Entscheidungen mit konkreten Beispielen nachbesprechen.

CyberPlay-Redaktion · Veröffentlicht am · Aktualisiert am · 8 Min. Lesezeit

Leitfaden und Übungen auf Deutsch

Szene aus dem Spiel Phishing Detective 3D.

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Aus der CyberPlay-Galerie von Phishing Detective 3D. Illustrative Spielszene; sichtbare Oberflächentexte sind auf Englisch.

Phishing-Training mit Spielen ermöglicht es Mitarbeitenden, verdächtige Anfragen praxisnah durchzuspielen, bevor sie im Arbeitsalltag darauf treffen. Entscheidend ist die Abfolge der Schritte: verstehen, was verlangt wird, die verfügbaren Anhaltspunkte prüfen, einen unabhängigen Verifikationsweg wählen und Auffälligkeiten über den offiziellen Meldeweg weitergeben. Ein gutes Spiel macht diesen Ablauf durch Aktionen und Feedback greifbar.

Dieser Leitfaden geht weit über das bloße Suchen nach Rechtschreibfehlern hinaus. Er erklärt, wie Sie eine passende Übung auswählen, ein eigenes Szenario zu einer Lieferantennachricht durchführen und das Training mit den realen Arbeitswerkzeugen verknüpfen. Ziel ist es, Mitarbeitende dabei zu unterstützen, legitime Aufgaben sicher fortzuführen – auch wenn sich eine Nachricht rein optisch nicht sofort eindeutig einordnen lässt.

Das Wichtigste zum Mitnehmen

  • Verlangte Handlung und Verifikationsweg schulen, nicht nur visuelle Warnsignale.
  • Legitime Nachrichten und Zweifelsfälle in die Übungen einbeziehen.
  • Den Meldeweg im Spiel direkt mit den realen betrieblichen Prozessen verbinden.
  • Später veränderte Beispiele nutzen und den Erkennungsaufwand berücksichtigen.

Spielerische Übungen und E-Mail-Simulationen klar trennen

In einem Spiel wissen die Lernenden in der Regel, dass sie sich in einer Übung befinden. Man kann bei einer Entscheidung innehalten, Anhaltspunkte prüfen, Konsequenzen besprechen und es noch einmal versuchen. Eine E-Mail-Simulation hingegen platziert Testnachrichten direkt im regulären Posteingang und beobachtet das Verhalten im realen Arbeitsumfeld. Beides hat seinen Nutzen, beantwortet aber unterschiedliche Fragestellungen und erfordert eine andere Vorbereitung.

Nutzen Sie Spiele, um Abläufe zu vermitteln, bevor Sie erwarten, dass Mitarbeitende diese in unvertrauten Situationen sicher anwenden. Falls Ihr Unternehmen auch Simulationen einsetzt, stimmen Sie deren Gestaltung mit den Schulungsverantwortlichen und dem Incident-Response-Team ab. Eine Meldeschaltfläche im Spiel ist kein Nachweis für eine funktionierende Postfach-Integration, und ein erfolgreicher Spieldurchlauf belegt nicht, dass eine echte Nachricht ebenfalls gemeldet worden wäre.

Wissenschaftliche Erkenntnisse als Orientierung für das Design nutzen

Die Studie „What.Hack“ (CHI 2019) verknüpfte die Prüfung von Nachrichten mit einer spielerischen Rollenspielaufgabe. Die ermutigenden Ergebnisse bei der unmittelbaren Einordnung stammten jedoch aus einer kleinen Stichprobe von Studierenden – sie stellen weder eine Evaluation von CyberPlay dar, noch lassen sie direkte Rückschlüsse auf langfristige Vorfälle in Organisationen zu.

Die entscheidende Frage für das Spieldesign lautet: Müssen die Lernenden Regeln im jeweiligen Kontext anwenden? Gelingt es ihnen, die Anfrage zu prüfen, Unsicherheiten auszuhalten und dennoch produktiv weiterzuarbeiten? Bitten Sie die Teilnehmenden in einer Pilotphase, ihre Gedankengänge laut auszusprechen. Diese Erklärungen decken oft Abkürzungen auf, die einem Punktesystem entgehen – etwa das pauschale Misstrauen gegenüber jedem unbekannten Absender oder das unkritische Freigeben jeder Nachricht mit Firmenlogo.

Quellen dieses Abschnitts: What.Hack: motivierendes Anti-Phishing-Training durch ein Rollenspiel mit Phishing-Simulation

Zuerst erfassen, was der Absender bezweckt

Beginnen Sie jedes Szenario mit der geforderten Handlung: Sollen sich Mitarbeitende anmelden, eine Datei öffnen, Informationen preisgeben, Zugriffe freigeben, Geld überweisen oder einen Prozess ändern? Ein identisches Layout kann für eine harmlose Mitteilung ebenso verwendet werden wie für einen gefährlichen Angriffsversuch. Das äußere Erscheinungsbild allein reicht für eine Entscheidung daher nicht aus.

Lassen Sie die Lernenden die Aufforderung in eigenen Worten formulieren: „Jemand möchte, dass ich noch heute die Bankverbindung des Lieferanten ändere.“ Dieser Satz rückt die folgenschwere Handlung sofort in den Fokus. Zudem erleichtert er Personen ohne technisches Fachwissen den Einstieg. Fragen Sie anschließend, welche Bedingungen zwingend erfüllt sein müssen, bevor diese Aktion sicher ausgeführt werden darf.

Phishing Detective 3D-Gameplay: Prüfen einer eingehenden Anfrage.

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  1. Angeforderte Aktion lesen

    Ermitteln Sie, wozu die Nachricht auffordert, bevor Sie sie nach vertrautem Namen oder Erscheinungsbild beurteilen.

  2. Über bekannte Kontakte verifizieren

    Nutzen Sie einen etablierten Kontaktweg, um eine unerwartete Anfrage zu verifizieren, selbst wenn der Absender vertraut wirkt.

Phishing Detective 3D-Gameplay: Prüfen einer eingehenden Anfrage.

Fallbeispiel: Eine fiktive Lieferantennachricht prüfen

Lesen Sie dieses Beispiel als reinen Text, ohne Links zu öffnen. Sämtliche Organisationen und Adressen in der Übung sind frei erfunden. Die Nachricht lautet: „Von: Mara, Buchhaltung, accounts@northstar-supplies.example. Betreff: Geänderte Zahlungsdaten zu Rechnung 1048. Unsere Bankverbindung hat sich geändert. Bitte begleichen Sie den Betrag noch heute über die beigefügten Daten. Bei Fragen rufen Sie die Nummer in meiner Signatur an.“

Gehen Sie davon aus, dass eine Rechnung für diese Lieferung tatsächlich erwartet wird. Dieses Detail verleiht der Anfrage Plausibilität, bestätigt die Änderung jedoch keineswegs. Leiten Sie die Lernenden dazu an, bekannte Fakten von neuen Behauptungen zu trennen: Die Lieferung wird erwartet; die neue Kontoverbindung, die Dringlichkeit und der neue Kontaktweg müssen hingegen unabhängig geprüft werden.

Fallbeispiel: Eine fiktive Lieferantennachricht prüfen
ElementWas es aussagtWas es nicht belegt
Erwartete RechnungsnummerNachricht passt zu aktuellen VorgängenDass der Absender Zugriff auf ein autorisiertes Konto hat
Bekannter AnzeigenameEin Name steht in der NachrichtDie tatsächliche Identität der Person
Bitte um KontowechselVorgang hat finanzielle AuswirkungenDass die Änderung autorisiert wurde
Telefonnummer in der NachrichtEin Kontaktweg wurde mitgeteiltDass dieser Kontaktweg unabhängig ist
Prüfen: Was ändert sich: Konto, Ziel oder Berechtigung? Verifizieren: Einen unabhängig bekannten Kontaktweg nutzen. Melden: Verdächtige Anfragen mit Kontext weiterleiten. Nachbesprechen: Anhaltspunkte erklären, auch unkritische Details.

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Originale erklärende Grafik von CyberPlay: Lieferantenanfrage: Nur nach Prüfung handeln.

Einen unabhängigen Verifikationsweg wählen

Die Leitlinien des FBI zu Business Email Compromise empfehlen, Änderungen von Zahlungsdaten stets über Kontaktdaten zu prüfen, die unabhängig von der verdächtigen Nachricht beschafft wurden. Dieser Grundsatz ist in der Praxis deutlich verlässlicher als der Versuch zu beurteilen, ob der Schreibstil authentisch wirkt.

Nutzen Sie für die Überprüfung die im System hinterlegten Kontaktdaten des Lieferanten und halten Sie den regulären Freigabeprozess ein. Ist der bekannte Ansprechpartner nicht erreichbar, wird die Änderung angehalten und nach Vorgabe eskaliert. Vermeiden Sie es, die Prüfung über Kommunikationskanäle abzuwickeln, die aus derselben verdächtigen Nachricht stammen. Eine Antwort im E-Mail-Verlauf oder ein Anruf unter der neuen Nummer führt den Betrug oft nur weiter.

Quellen dieses Abschnitts: Betrug mit geschäftlichen E-Mails (Business Email Compromise)

Die Meldung als festen Bestandteil der Aufgabe etablieren

Eine Übung, die bei „nicht klicken“ endet, lässt eine zentrale Handlung im Unternehmen aus. Die Phishing-Ressourcen des NIST für kleinere Unternehmen betonen neben dem Erkennen ausdrücklich die Meldung verdächtiger Vorfälle. Zeigen Sie im Training genau, wohin Auffälligkeiten gemeldet werden müssen und welche Informationen das zuständige Team benötigt.

Nutzen Sie eine autorisierte Testnachricht, um den Meldeweg praktisch vorzuführen. Handelt es sich um eine Gruppendiskussion, lassen Sie die Teilnehmenden stattdessen die entsprechende Intranetseite oder den richtigen Kontakt heraussuchen. Behandeln Sie auch den Fall nach einem Klick ohne Schuldzuweisungen: zügig melden, den Vorfall beschreiben und den Anweisungen des Incident-Response-Teams folgen. Mitarbeitende sollten niemals Anhänge eigenständig analysieren oder Spuren löschen, um ein Missgeschick zu vertuschen.

Ransomware Reaction-Gameplay: Erstellen einer aussagekräftigen Vorfallsmeldung.

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  1. Uhrzeit und Gerät angeben

    Melden Sie beobachtete Auffälligkeiten, den Zeitpunkt des Auftretens und das betroffene Gerät über den vorgegebenen Meldeweg der Organisation.

  2. Beobachtung von Diagnose trennen

    Trennen Sie unmittelbare Beobachtungen von Ursachenvermutungen, damit das Einsatzteam ermitteln kann, ohne frühe Spekulationen als Fakt zu werten.

Ransomware Reaction-Gameplay: Erstellen einer aussagekräftigen Vorfallsmeldung.

Quellen dieses Abschnitts: Phishing-Materialien für kleine Unternehmen

Schulungen praxisnah und durchführbar moderieren

Planen Sie für den Einstieg rund zwanzig Minuten ein: Lernziel vorstellen, eine Übung durchspielen lassen, die Argumente besprechen und den internen Meldeweg einüben. Passen Sie die Dauer an das gewählte Spiel und die Zielgruppe an. Beenden Sie die Einheit rechtzeitig, bevor Ermüdung zu hastigem Raten führt. Bieten Sie eine Text- oder Diskussionsalternative an, falls die Steuerung des Spiels Barrieren schafft.

Nutzen Sie drei Fragen für die Nachbesprechung: „Was war die folgenschwere Aufforderung?“, „Welche Prüfung lieferte unabhängige Anhaltspunkte?“ und „Was hätten Sie unternommen, wenn Sie weiterhin unsicher gewesen wären?“ Halten Sie Prozessprobleme getrennt von Wissenslücken fest. Finden Mitarbeitende den Meldeweg nicht, ist die Behebung dieses Zugangsfehlers als konkrete Folgemaßnahme festzuhalten.

Mehr als nur die Quote richtiger Antworten bewerten

Die NIST Phish Scale untersucht, wie schwierig eine E-Mail für Menschen tatsächlich zu erkennen ist. Beziehen Sie diesen Aspekt in die Auswertung ein: Ein Szenario, das exakt zum Tagesgeschäft passt, stellt ganz andere Anforderungen als ein offensichtlich unpassender Köder. Ein isolierter Vergleich reiner Fehlerquoten führt schnell zu falschen Schlüssen.

Erfassen Sie Einstufung, Begründung und Reaktion separat. Mitarbeitende können eine Nachricht völlig zu Recht verdächtig finden, sich dann aber für einen unsicheren Verifikationsweg entscheiden. Andere sind unsicher, handeln aber prozessual genau richtig. Beziehen Sie legitime Nachrichten ein, damit das Training nicht dazu verleitet, jede Arbeit vorsorglich einzustellen. Variieren Sie später Absender, Kanal oder Geschäftskontext, behalten Sie das Verifikationsziel jedoch bei.

Quellen dieses Abschnitts: Phishing mit Netz: NIST Phish Scale und Sicherheitsbewusstsein

Eine Übung auswählen und im Arbeitsalltag verankern

Nutzen Sie die CyberPlay-Themensammlung zu Phishing und wählen Sie ein Spiel, das genau zu der Entscheidung passt, die Sie trainieren möchten. Lesen Sie die Anleitung und spielen Sie den Ablauf vorab selbst durch. Nutzen Sie das Lieferantenbeispiel aus diesem Artikel als eigenständige, moderierte Übung; daraus ergibt sich kein Anspruch, dass jedes verlinkte Spiel exakt dieses Szenario oder den vollständigen Freigabeprozess enthält.

Geben Sie den Mitarbeitenden nach der Schulung eine kurze Gedankenstütze mit an die Hand, die den offiziellen Meldeweg und ein zentrales Verifikationsprinzip zusammenfasst. Planen Sie zeitversetzt ein neues, unbekanntes Beispiel ein und analysieren Sie die Begründungen der Antworten. Oft ist der wirkungsvollste nächste Schritt eine organisatorische Verbesserung: eine gepflegte Lieferantenliste, eine klar sichtbare Meldeschaltfläche oder die ausdrückliche Rückendeckung von Führungskräften, kritische Anfragen bei Zweifeln anzuhalten.

Sichere Entscheidungen praktisch trainieren

Entdecken Sie passende CyberPlay-Spiele, wählen Sie eine geeignete Übung und besprechen Sie, wie die gezeigten Schritte mit Ihren internen Prozessen zusammenhängen. Ein deutschsprachiges Spiel erleichtert es, die Begründung einer Entscheidung anschließend mit dem Team zu besprechen; beachten Sie die Sprachangaben auf der Spielseite.

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Quellen und weiterführende Informationen

  1. What.Hack: motivierendes Anti-Phishing-Training durch ein Rollenspiel mit Phishing-Simulation — Cornell University / CHI 2019. Abgerufen am 2026-09-13
  2. Betrug mit geschäftlichen E-Mails (Business Email Compromise) — FBI. Abgerufen am 2026-09-13
  3. Phishing-Materialien für kleine Unternehmen — NIST. Abgerufen am 2026-09-13
  4. Phishing mit Netz: NIST Phish Scale und Sicherheitsbewusstsein — NIST. Abgerufen am 2026-09-13

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